Dubai wächst seit Jahren durch Zuzug. Über achtzig Prozent der Bevölkerung des Emirats sind Ausländer, und der Anteil steigt weiter. Die Gründe dafür sind schnell aufgezählt – interessanter ist, was davon in der Praxis trägt und was nicht.
Der häufigste Beweggrund ist die Abgabenlast. Auf Ebene der Privatperson erheben die Emirate keine Einkommensteuer, keine Vermögenssteuer und keine Erbschaftsteuer. Seit 2018 gilt eine Mehrwertsteuer von 5 Prozent, seit Juni 2023 eine Körperschaftsteuer von 9 Prozent auf Unternehmensgewinne über AED 375.000.
Wer in Deutschland ein hohes Bruttogehalt bezieht, sieht den Unterschied sofort auf dem Kontoauszug. Zwei Punkte relativieren ihn allerdings:
Für Österreich und die Schweiz stellt sich die Lage anders dar; beide Staaten haben ein Abkommen mit den Emiraten, mit unterschiedlichen Methoden.
Gefragt sind vor allem IT, Finanztechnologie, Bau, Gesundheitswesen, Tourismus, Luftfahrt und Marketing. Die Free Zones sind dabei nach Branchen sortiert – Dubai Internet City für Technologie, Dubai Media City für Medien, Dubai Silicon Oasis für Innovation, der DIFC Innovation Hub für Finanztechnologie.
Was den Standort für Gründer attraktiv macht: hundert Prozent ausländisches Eigentum in den Free Zones, englischsprachige Verträge, überschaubare Bürokratie und eine Lizenz, die in wenigen Tagen steht.
Was selten erwähnt wird: In vielen Branchen sind lange Arbeitszeiten und hoher Leistungsdruck normal. Der kündigungsrechtliche Schutz ist deutlich schwächer als in Deutschland, und das Aufenthaltsrecht hängt am Arbeitsverhältnis.
Dubai ist eine Arbeitsstadt, keine Dauerkulisse. Der Alltag besteht aus Schulweg, Wocheneinkauf und Stau auf der Sheikh Zayed Road – nicht aus Beach Clubs.
| Erwartung | Realität |
|---|---|
| Ganzjährig Sonne | Mai bis September über 45 Grad, der Alltag verlagert sich nach drinnen |
| Steuerfrei leben | Miete, Schule und Versicherung zehren den Vorteil spürbar auf |
| Alles geht schnell | Lizenz in Tagen, Bankkonto in Wochen, Schulplatz in Monaten |
| Internationale Community | stimmt – mit dem Risiko, in einer Expat-Blase zu leben |
Die Wahl des Viertels bestimmt Budget und Tagesrhythmus stärker als alles andere.
Die Immobilienpreise sind seit 2021 deutlich gestiegen. In Spitzenlagen liegen Zweizimmerwohnungen bei mehreren tausend Euro Monatsmiete, weiter außerhalb sinkt das Niveau erheblich. Üblich ist die Zahlung im Voraus, oft jährlich oder in wenigen Schecks – das bindet Liquidität.
Als Orientierung nennen wir Familien ein Budget von etwa 5.000 bis 10.000 Euro im Monat, je nach Wohnlage, Schule und Lebensstil. Ausländer können in Freehold-Zonen Immobilien vollständig erwerben; die Bruttomietrenditen liegen über europäischem Niveau.
Internationale Schulen kosten je nach Lehrplan und Jahrgang zwischen wenigen tausend und deutlich über dreißigtausend Euro im Jahr. Alle Schulen unterliegen der Aufsicht der KHDA und werden regelmäßig bewertet. Arabisch ist Pflichtfach.
Ein Detail, das oft falsch im Netz steht: Die Schul- und Arbeitswoche läuft seit der Umstellung Anfang 2022 von Montag bis Freitag, mit verkürztem Freitag. Die frühere Woche von Sonntag bis Donnerstag gilt nicht mehr.
Dubai ist im regionalen Vergleich liberal, aber islamisch geprägt. Englisch ist Geschäfts- und Alltagssprache, Amtssprache bleibt Arabisch.
Moscheen, Kirchen, Tempel und Synagogen bestehen nebeneinander. Wer sich für die lokale Kultur interessiert, kommt spürbar leichter an.
Jeder Weg setzt einen Gesundheitscheck, eine private Krankenversicherung und die Emirates ID voraus.
Es passt für qualifizierte Fachkräfte in gefragten Branchen, für Unternehmer mit internationalem Geschäft, für Ortsunabhängige und für Familien, die einen internationalen Bildungsweg wollen.
Es passt weniger bei knappem Budget, bei Berufen ohne lokale Nachfrage und für Menschen, denen politische Mitbestimmung und uneingeschränkte Meinungsfreiheit wichtig sind. Auch die Entfernung zur Familie in Europa und die Sommerhitze werden regelmäßig unterschätzt.
Aus unserer Begleitung: Die Mandanten, bei denen der Schritt gut aufgeht, haben zwei Dinge gemeinsam. Sie waren vorher mehrfach da – und zwar auch im Juli oder August, nicht nur im Februar. Und sie haben vor dem Umzug gerechnet, statt sich von der Steuerfreiheit blenden zu lassen.
Der häufigste Fehler ist die halbe Lösung: Gesellschaft hier, Wohnsitz dort. Sie bringt die Kosten beider Systeme zusammen und die Vorteile keines von beiden. Wer den Schritt macht, sollte ihn ganz machen – oder ihn lassen.
Unser Rat: Planen Sie vor der Entscheidung zwei längere Aufenthalte, einen im Sommer und einen im Winter, jeweils zwei bis vier Wochen. Und führen Sie das Gespräch mit Ihrem Steuerberater im Heimatland, bevor Sie eine Lizenz beantragen, nicht danach.
Stand: 28. August 2026. Angaben zu Kosten und Regelungen sind Orientierungswerte und ändern sich.
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