Eine ausländische Staatsbürgerschaft erwerben können Deutsche seit dem 27. Juni 2024, ohne die eigene zu verlieren. Die eigentliche Frage lautet seither: auf welchem Weg? Das Staatsangehörigkeitsrecht kennt weltweit sechs Wege zu einem zweiten Pass: Geburt, Abstammung, Heirat, Einbürgerung nach Aufenthalt, besondere Verdienste und Investition. Dieser Beitrag ordnet alle sechs, erklärt die Rechtslage für Deutsche und Österreicher und zeigt, warum ein zweiter Pass an Ihrer Steuerpflicht nichts ändert. Die Investitionsprogramme im Detail stellen wir in unserer Übersicht Staatsbürgerschaft kaufen: Programme und Kosten vor.
Wer in den USA, Kanada, Brasilien oder Argentinien geboren wird, ist Staatsbürger des Landes. Für Erwachsene ist dieser Weg verschlossen, für Kinder kostenlos.
Ein Vorfahre im richtigen Land eröffnet einen Anspruch ohne Aufenthaltspflicht. Irland nimmt Enkel eines in Irland Geborenen über das Foreign Births Register auf, Polen bestätigt die Staatsangehörigkeit bei ununterbrochener Abstammungskette. Italien hat den Weg mit dem Dekret DL 36/2025 und dem Gesetz 74/2025 auf Kinder und Enkel in Italien Geborener begrenzt; Altfälle vor dem 27. März 2025 sind geschützt. Dauer: Monate bis Jahre, je nach Konsulat.
Die Ehe mit einem Staatsbürger verkürzt die Wartezeit, ersetzt aber nicht den Aufenthalt. In Deutschland sind drei Jahre Aufenthalt und zwei Jahre Ehe erforderlich.
Der Regelweg. Argentinien (Ley 346) und Peru (Ley 26574) bürgern nach zwei Jahren ein, die Dominikanische Republik nach zwei Jahren oder sechs Monaten bei Immobilienbesitz, Paraguay nach drei Jahren (Art. 148 der Verfassung), Armenien nach drei, Brasilien nach vier Jahren. Deutschland verlangt nach § 10 StAG fünf Jahre rechtmäßigen Aufenthalt, Sprachniveau B1, Einbürgerungstest und gesicherten Lebensunterhalt. Der Haken: Sie müssen tatsächlich dort leben.
Österreich kann nach § 10 Abs. 6 StbG bei „außerordentlichen Leistungen" einbürgern, Deutschland nach § 8 StAG im Ermessen. Beides sind Ausnahmen ohne Anspruch; ein Kaufprogramm ist das nicht.
Rund ein Dutzend Staaten bürgern gegen einen Beitrag in einen Staatsfonds oder eine genehmigte Investition ein, nach Sicherheitsprüfung und ohne Aufenthaltspflicht. Laut Programmbedingungen, Stand September 2026, beginnt die Spanne bei USD 90.000 (São Tomé und Príncipe, ein bis zwei Monate) und reicht über USD 200.000 (Dominica, sechs Monate) bis USD 250.000 (St. Kitts und Nevis, sechs Monate); die Türkei verlangt eine Immobilie ab USD 400.000 mit drei Jahren Haltefrist. Alle Programme mit Beiträgen listet der Beitrag Staatsbürgerschaft kaufen: Liste aller Länder 2026.
| Weg | Voraussetzung | Dauer | Typische Kosten |
|---|---|---|---|
| Geburt (ius soli) | Geburtsort, z. B. USA, Kanada, Brasilien | Sofort | Keine |
| Abstammung | Vorfahre in Irland, Polen, Italien (eingeschränkt) | Monate bis Jahre | Gebühren, Urkunden |
| Heirat | Ehe plus verkürzter Aufenthalt | 2 bis 3 Jahre | Gebühren |
| Aufenthalt | Rechtmäßiger Wohnsitz, oft Sprache | 2 bis 5 Jahre | Lebenshaltung, Gebühren |
| Besondere Verdienste | Ermessen des Staates | Offen | Kein Preis, kein Anspruch |
| Investition | Beitrag, Due Diligence, saubere Vermögensherkunft | 1 bis 12 Monate | ab USD 90.000 zzgl. Gebühren |
Mit dem Staatsangehörigkeitsrechts-Modernisierungsgesetz, in Kraft seit dem 27. Juni 2024, ist Mehrstaatigkeit in Deutschland generell zugelassen. Wer auf Antrag eine fremde Staatsangehörigkeit erwirbt, verliert die deutsche nicht mehr; eine Beibehaltungsgenehmigung ist laut Bundesverwaltungsamt nicht mehr erforderlich. Das Änderungsgesetz vom 30. Oktober 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 256) hat nur die Einbürgerung nach drei Jahren gestrichen. Der CDU/CSU-Entwurf vom 9. September 2026 zur Rückkehr zum Verzichtsprinzip ist bislang nur ein Entwurf. Was für den deutschen Pass selbst gilt, erklärt der Beitrag Kann man den deutschen Pass kaufen? Was seit 2024 gilt.
Beachten Sie besonders: Für Österreicher gilt das Gegenteil. Nach § 27 Abs. 1 StbG verliert die österreichische Staatsbürgerschaft, wer auf eigenen Antrag eine fremde erwirbt. Eine Beibehaltung nach § 28 StbG ist nur im Interesse der Republik oder aus besonders berücksichtigungswürdigen Gründen möglich und muss vor dem Erwerb beantragt werden. Schweizer dürfen seit dem 1. Januar 1992 mehrere Staatsangehörigkeiten ohne Einschränkung führen.
Aus unserer Beratungspraxis: Eine steuerliche Wirkung hat der zweite Pass nicht. Die unbeschränkte Steuerpflicht knüpft nach § 1 EStG und §§ 8, 9 AO an Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt an, nicht an die Staatsangehörigkeit. Erst die Aufgabe des deutschen Wohnsitzes löst Folgen aus: bei Beteiligungen ab 1 % die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG, zahlbar in sieben Jahresraten, und für Deutsche in Niedrigsteuergebieten die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG für zehn Jahre. Auch beim Bankkonto hilft der Pass nicht: Die Selbstauskunft nach CRS fragt alle steuerlichen Ansässigkeiten und Steuernummern ab, und laut Bundeszentralamt für Steuern bestimmt die Staatsbürgerschaft die steuerliche Ansässigkeit nicht. Die Begriffe erklärt unser Lexikon Steuern, die Praxis der Meldung der Beitrag Auslandskonto und CRS-Meldung.
Unser Rat: Trennen Sie die beiden Entscheidungen. Der Pass ist eine Frage der Mobilität und Absicherung; die Steuer ist eine Frage des Wohnsitzes, etwa über die Dubai Residency. Wer beides verbindet, braucht eine Reihenfolge, die wir mit unserem in allen Programmländern lizenzierten Partner festlegen. Den Überblick über die Programme gibt unsere Seite zur Staatsbürgerschaft durch Investition.
Stand: 20. September 2026
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