Steuern

Hinzurechnungsbesteuerung (§§ 7–14 AStG)

Die Hinzurechnungsbesteuerung nach den §§ 7 bis 14 AStG rechnet passive, niedrig besteuerte Einkünfte einer ausländischen Zwischengesellschaft den beherrschenden deutschen Gesellschaftern direkt zu und besteuert sie in Deutschland, auch ohne Ausschüttung. Sie soll verhindern, dass Gewinne in Niedrigsteuerländern wie den VAE geparkt werden, ohne dort echte aktive Tätigkeit auszuüben.

01.08.2026

Definition und Einordnung

§ 7 AStG trägt die Überschrift „Beteiligung an ausländischer Zwischengesellschaft“. Die Hinzurechnungsbesteuerung (englisch CFC – Controlled Foreign Company) greift, wenn drei Bedingungen zusammentreffen:

  1. Beherrschung: Deutschen Steuerpflichtigen sind, allein oder mit nahestehenden Personen, mehr als 50 % der Stimmrechte oder des Nennkapitals der ausländischen Gesellschaft zuzurechnen.
  2. Passive Einkünfte: Die Gesellschaft erzielt Einkünfte, die nicht unter den Aktivkatalog des § 8 Abs. 1 AStG fallen (typisch: bestimmte Zinsen, Lizenzen, konzerninterne Dienstleistungen ohne Substanz).
  3. Niedrigbesteuerung: Die Ertragsteuerbelastung der passiven Einkünfte liegt unter 15 % (§ 8 Abs. 5 AStG, seit dem Veranlagungszeitraum 2024; zuvor 25 %). Das trifft auf VAE-Gesellschaften mit 0 bis 9 % Corporate Tax regelmäßig zu.

Rechtsfolge: Die passiven Einkünfte werden dem deutschen Gesellschafter als Hinzurechnungsbetrag zugerechnet und in Deutschland besteuert, selbst wenn nichts ausgeschüttet wurde.

Der Ausweg: aktive Tätigkeit und Substanz

Entscheidend ist die Abgrenzung aktiv/passiv. Erzielt die VAE-Gesellschaft aktive Einkünfte im Sinne des § 8 Abs. 1 AStG (etwa echter Handel oder Dienstleistung mit eigener wirtschaftlicher Substanz vor Ort), greift die Hinzurechnung nicht. Reine Holding-, Lizenz- oder Kapitalanlagestrukturen ohne Personal und Leitung in den VAE sind dagegen die klassischen Kandidaten für eine Hinzurechnung und zugleich für den Vorwurf einer Briefkastenfirma.

Bedeutung für DACH-Unternehmer

Für DACH-Unternehmer, die in Deutschland (unbeschränkt oder über § 2 AStG erweitert beschränkt) steuerpflichtig bleiben, ist die Hinzurechnungsbesteuerung der Grund, warum eine passive Dubai-Holding oft nichts spart: Der niedrige VAE-Satz wird durch die deutsche Hinzurechnung neutralisiert. Der Vorteil entsteht erst, wenn die Person sauber wegzieht (Bezug zur steuerlichen Ansässigkeit) und die Gesellschaft echte aktive Substanz hat. Für Österreich und die Schweiz gelten eigene CFC-Regeln.

Rechenbeispiel

Ein in Deutschland ansässiger Gesellschafter hält 100 % an einer VAE-Gesellschaft, die ausschließlich Lizenzgebühren von EUR 300.000 vereinnahmt und keine eigene Substanz hat. Die VAE-Gesellschaft zahlt darauf höchstens 9 % Corporate Tax, die effektive Belastung liegt wegen des Freibetrags noch darunter und damit klar unter der Niedrigsteuergrenze von 15 %. Diese passiven Einkünfte werden ihm nach §§ 7 ff. AStG zugerechnet und in Deutschland mit seinem persönlichen Satz besteuert, die VAE-Ersparnis verpufft. Hätte die Gesellschaft aktiven Geschäftsbetrieb mit Personal vor Ort, käme eine Hinzurechnung regelmäßig nicht in Betracht. Einzelfallprüfung erforderlich.

Zur Größenordnung: Werden die EUR 300.000 dem Gesellschafter zugerechnet und mit 42 % besteuert, entstehen rund EUR 126.000 deutsche Steuer, während die VAE-Gesellschaft auf denselben Betrag nur 9 % Corporate Tax auf den Teil oberhalb des Freibetrags von AED 375.000 getragen hätte. Die Hinzurechnung hebt den Standortvorteil damit nicht nur auf, sie kann die Gesamtbelastung über das reine deutsche Niveau heben, wenn die Anrechnung ausländischer Steuer nicht voll greift. Nur echte aktive Tätigkeit mit Substanz vor Ort schließt diesen Effekt aus.

Der Substanznachweis nach § 8 Abs. 2 AStG

Für Gesellschaften mit Sitz oder Geschäftsleitung in einem EU- oder EWR-Staat kann die Hinzurechnung trotz Beherrschung, passiver Einkünfte und Niedrigbesteuerung ausgeschlossen sein, wenn die Gesellschaft einer tatsächlichen wirtschaftlichen Tätigkeit nachgeht (Substanznachweis, § 8 Abs. 2 AStG). Für Drittstaaten wie die VAE steht dieser Entlastungsnachweis nach dem Gesetzeswortlaut nicht zur Verfügung. Für VAE-Gesellschaften entscheidet deshalb allein, ob die Einkünfte unter den Aktivkatalog des § 8 Abs. 1 AStG fallen. Für DACH-Unternehmer heißt das: Eine VAE-Gesellschaft entgeht der Hinzurechnung nur mit belastbar aktiven Einkünften und echter wirtschaftlicher Substanz, die reine Niedrigsteuer allein ist nie ein Vorteil. Für Österreich und die Schweiz gelten eigenständige CFC-Regeln mit abweichenden Schwellen.

Verwandte Begriffe

Wirtschaftliche Substanz, Wegzugsbesteuerung, Scheinsitz / Briefkastenfirma. Zur Strukturierung: Steuerplanung.

Verwandte Begriffe

Quellen

  • § 7 AStG „Beteiligung an ausländischer Zwischengesellschaft“ – gesetze-im-internet.de/astg/__7.html (abgerufen 2026-07-17)
  • § 8 AStG (Einkünfte von Zwischengesellschaften; Abs. 2 Substanznachweis nur EU/EWR; Abs. 5 Niedrigbesteuerungsgrenze 15 % ab VZ 2024) – gesetze-im-internet.de/astg/__8.html (abgerufen 2026-10-04)
  • BMF-Grundsätze zur Anwendung des Außensteuergesetzes (AEAStG)