Banking

Was passiert mit Bankguthaben im Kriegsfall?

Ein Bankguthaben ist kein Geld im Tresor, sondern eine Forderung gegen ein Institut. Diese eine Tatsache erklärt fast alles, was in Krisenlagen mit Guthaben passiert – und warum die Frage weniger auf Verlust hinausläuft als auf Verfügbarkeit. Dieser Beitrag erklärt die Mechanik; was daraus praktisch folgt, steht im Beitrag Geld sichern im Kriegsfall.

Stufe 1: Die Einlagensicherung

Grundlage ist die Richtlinie 2014/49/EU, in Deutschland umgesetzt im Einlagensicherungsgesetz. Gesichert sind Einlagen bis 100.000 Euro je Einleger und Institut. Für bestimmte Lebenslagen – etwa den Verkauf selbstgenutzten Wohneigentums – gilt für sechs Monate eine erhöhte Deckung bis 500.000 Euro. Stellt die BaFin den Entschädigungsfall fest, ist innerhalb von sieben Arbeitstagen zu entschädigen; diese Frist gilt in Deutschland seit dem 1. Juni 2016.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens gilt die Grenze je Institut, nicht je Konto – mehrere Konten bei derselben Bank werden zusammengerechnet. Zweitens sichert das System den Ausfall einer Bank, nicht den Ausfall des Systems.

Stufe 2: Die Haftungskaskade

Gerät eine Bank in Schieflage, wird sie in der Regel nicht insolvent abgewickelt, sondern nach dem Sanierungs- und Abwicklungsgesetz saniert. Die Verluste werden dabei in einer festen Reihenfolge zugewiesen.

ReihenfolgeWer haftet
zuersthartes Kernkapital, danach zusätzliches Kernkapital und Ergänzungskapital
dannnachrangige Verbindlichkeiten und nicht bevorrechtigte Schuldtitel
dannunbesicherte, nicht nachrangige Verbindlichkeiten, u. a. Einlagen großer Unternehmen über 100.000 Euro
danachder nicht gedeckte Teil von Einlagen natürlicher Personen und kleiner Unternehmen
ausgenommengedeckte Einlagen bis 100.000 Euro (§ 91 Abs. 2 SAG)

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Zypern 2013: Bei der Bank of Cyprus wurden 47,5 Prozent der Einlagen oberhalb von 100.000 Euro in Eigenkapital umgewandelt – rund 3,8 Milliarden Euro bei etwa 20.000 Einlegern. Einlagen unterhalb der Grenze blieben unberührt. Bei der abgewickelten Laiki Bank erhielten Inhaber nicht gedeckter Einlagen bis 2019 etwa sechs Cent je Euro.

Stufe 3: Die Verfügbarkeit

Der häufigste reale Effekt ist weder Verlust noch Umwandlung, sondern die Beschränkung des Zugriffs. Artikel 63 AEUV garantiert die Kapitalverkehrsfreiheit, Artikel 65 AEUV lässt Ausnahmen aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu, und nach Artikel 66 AEUV kann der Rat bei schweren Störungen Schutzmaßnahmen für höchstens sechs Monate beschließen.

Die praktisch bedeutsamen Kontrollen kamen bisher aus nationalem Recht. In Zypern galt ab dem 28. März 2013 ein Abhebungslimit von 300 Euro pro Person, Tag und Institut; die Abhebungsbeschränkungen endeten im März 2014, die übrigen Beschränkungen erst im April 2015. In Griechenland galt ab Juni 2015 ein Limit von 60 Euro pro Tag, vollständig aufgehoben zum 1. September 2019 – vier Jahre später.

Stufe 4: Das Sicherstellungsrecht

Für den äußeren Notstand hält das deutsche Recht das Wirtschaftssicherstellungsgesetz von 1965 bereit, das ausdrücklich auch den Geld- und Kapitalverkehr erfasst. Es enthält keine unmittelbaren Ge- oder Verbote, sondern ermächtigt zum Erlass von Rechtsverordnungen, die nur unter den Voraussetzungen des Artikels 80a GG angewandt werden dürfen. Die Bundesregierung hat am 1. Juli 2026 Eckpunkte für eine Überarbeitung der Sicherstellungs- und Vorsorgegesetze beschlossen; ein Abschluss ist für 2027 vorgesehen. Ein automatischer Zugriff auf Guthaben folgt daraus nicht.

Was das Bild vervollständigt

  • Außerhalb der EU gelten andere Zahlen. In Georgien sind Einlagen seit dem 1. April 2026 bis 50.000 GEL je Einleger und Bank gesichert – rund 16.000 bis 17.000 Euro, ausdrücklich auch für Nicht-Residenten. Das ist deutlich weniger als in der EU und der Grund, größere Beträge dort auf mehrere Institute zu verteilen; die Einzelheiten stehen auf unserer Seite zum Bankkonto in Georgien.
  • Bargeld löst das Problem nicht. Es hilft gegen kurzfristige Zugriffsprobleme und gegen nichts sonst – nicht gegen Inflation, nicht gegen Diebstahl, nicht gegen einen Substanzschaden.
  • Eine zweite Rechtsordnung wirkt nur, wenn sie vorher funktioniert. Ein Konto, das erst im Ernstfall eröffnet werden soll, existiert im Ernstfall nicht: Compliance-Prüfungen dauern Wochen.

Wie wir das einordnen

Die belegbare Antwort auf die Titelfrage lautet: Guthaben verschwinden nicht per Federstrich. Sie können zeitweise unerreichbar werden, sie können oberhalb der Sicherungsgrenze an einer Bankenabwicklung beteiligt werden, und sie können real an Wert verlieren. Gegen alle drei Effekte wirkt dasselbe: Verteilung über Institute, Währungen und Rechtsordnungen – vorher aufgesetzt, nicht im Ernstfall.

Beachten Sie besonders: Prüfen Sie zuerst, ob bei einem einzigen Institut mehr liegt, als dort gesichert ist. Das ist der Punkt mit dem größten Effekt und dem geringsten Aufwand.

Stand: 3. September 2026. Sicherungsgrenzen und Verfahren können sich ändern; maßgeblich sind die jeweils geltenden Vorschriften.

Weiter: Geld sichern im Kriegsfall, Immobilien bei Krieg und der Ablauf einer Eröffnung auf unserer Seite zum Bankkonto in Georgien.

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Hannes Danho

Geschäftsführer – Danho & Partner Wirtschaftskanzlei

Danho & Partner ist eine deutschsprachige Wirtschaftskanzlei im DIFC Dubai. Wir begleiten Unternehmer aus dem DACH-Raum bei Firmengründung, Steuern und Banking in den VAE.

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