Steuern

Steuern Dubai vs. Deutschland: Der Vergleich 2026

Die kurze Antwort

Die Emirate besteuern Unternehmensgewinne seit 2023 mit 9 Prozent oberhalb eines Freibetrags und erheben keine Einkommensteuer auf Löhne, Dividenden oder Mieten. Deutschland belastet Unternehmensgewinne je nach Gemeinde mit rund 30 Prozent und private Einkommen progressiv bis 45 Prozent. Der Abstand ist real. Er entsteht aber nur, wenn deine Ansässigkeit sauber verlagert ist, und genau daran scheitern die meisten Vergleiche.

Der Vergleich auf einen Blick

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Steuerarten zusammen.

SteuerartVAEDeutschland
Einkommensteuer auf Lohn und Gewinne natürlicher Personenkeineprogressiv bis 45 % (§ 32a EStG)
Unternehmensgewinne0 % bis AED 375.000, 9 % auf den Teil darüberrund 30 %, abhängig vom Hebesatz der Gemeinde
Kleine UnternehmenSmall Business Relief bei Umsatz bis AED 3 Mio, für Steuerperioden bis 31.12.2029kein vergleichbares Wahlrecht bei der Körperschaftsteuer
Umsatzsteuer5 %19 %, ermäßigt 7 %

Unternehmensebene: 9 Prozent gegen rund 30 Prozent

In den Emiraten gilt seit Geschäftsjahren, die am oder nach dem 1. Juni 2023 beginnen, eine Körperschaftsteuer von 9 Prozent auf steuerpflichtiges Einkommen über AED 375.000; darunter beträgt der Satz 0 Prozent (Federal Decree-Law No. 47 of 2022, Artikel 3 Absatz 1; Cabinet Decision No. 116 of 2022, Artikel 2 Absatz 1).

In Deutschland setzt sich die Belastung einer Kapitalgesellschaft aus 15 Prozent Körperschaftsteuer (§ 23 Absatz 1 KStG), 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf und der Gewerbesteuer zusammen. Deren Höhe hängt vom Hebesatz der Gemeinde ab; die Steuermesszahl beträgt 3,5 Prozent (§ 11 GewStG). In Großstädten liegt die Gesamtbelastung damit regelmäßig bei rund 30 Prozent.

Free Zone: 0 Prozent ist an Bedingungen geknüpft

Der oft zitierte Nullsatz in den Freihandelszonen gilt nur für eine Qualifying Free Zone Person. Voraussetzung sind ausreichende Substanz im Land, qualifizierendes Einkommen, Verrechnungspreisdokumentation und geprüfte Abschlüsse (Artikel 18 Absatz 1 FDL 47/2022). Geschäfte mit natürlichen Personen zählen grundsätzlich nicht dazu (Ministerial Decision No. 265 of 2023). Wer eine Bedingung verfehlt, verliert den Status rückwirkend ab Beginn des Steuerzeitraums.

Privatebene: keine Einkommensteuer, aber nur bei sauberem Wegzug

Die Emirate erheben keine Einkommensteuer auf Arbeitslohn, Kapitalerträge oder Mieteinnahmen. Sozialversicherungsbeiträge betreffen nur Staatsangehörige der VAE und der Golfstaaten, nicht Expatriates.

Deutschland besteuert dagegen progressiv bis 45 Prozent (§ 32a EStG), Kapitalerträge grundsätzlich mit 25 Prozent Abgeltungsteuer (§ 32d EStG), jeweils zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Entscheidend ist jedoch nicht der Tarif, sondern die Frage, ob Deutschland überhaupt noch zugreifen darf. Das hängt an § 8 AO, und diese Norm kennt keine Tagesgrenze. Wer die deutsche Wohnung behält, hat weiterhin einen deutschen Wohnsitz (AEAO zu § 8 Nummer 5).

Verbrauchsteuern: 5 gegen 19 Prozent

Die Umsatzsteuer der Emirate beträgt seit dem 1. Januar 2018 5 Prozent (Federal Decree-Law No. 8 of 2017), die Registrierungspflicht beginnt bei AED 375.000 Jahresumsatz. Deutschland erhebt 19 Prozent beziehungsweise 7 Prozent ermäßigt (§ 12 UStG). Hinzu kommen in den Emiraten Verbrauchsteuern auf Tabak, Energydrinks und, seit dem 1. Januar 2026 nach Zuckergehalt gestaffelt, auf gesüßte Getränke.

Der Punkt, den der Tabellenvergleich verschweigt

Zwischen Deutschland und den Emiraten besteht seit dem 31. Dezember 2021 kein Doppelbesteuerungsabkommen mehr. Das Abkommen von 2010 war befristet; Deutschland hat am 14. Juni 2021 mitgeteilt, dass eine Verlängerung nicht beabsichtigt ist. Im BMF-Schreiben zum Stand der Abkommen zum 1. Januar 2026 tauchen die Emirate weder unter geltenden Abkommen noch unter laufenden Verhandlungen auf.

Daraus folgt dreierlei: Es gibt keine Abkommensfreistellung, keine begrenzten Quellensteuersätze, und die vielzitierte 183-Tage-Regel greift gegenüber den Emiraten überhaupt nicht, denn sie ist Abkommensrecht. Der Informationsaustausch über den gemeinsamen Meldestandard besteht dagegen fort. Mehr dazu in unserem Beitrag Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland und VAE.

Ansässigkeit in den VAE und Pflichten in Deutschland

Die VAE bescheinigen deine steuerliche Ansässigkeit mit einem Tax Residency Certificate. Voraussetzung sind 183 Tage Aufenthalt in einem Zeitraum von zwölf Monaten oder 90 Tage, wenn zusätzliche Bedingungen erfüllt sind (Cabinet Decision No. 85 of 2022).

Beachte besonders: Für das deutsche Finanzamt entscheidet allein deutsches Recht. Eine Wohnung, die dir weiter zur Verfügung steht, begründet einen Wohnsitz nach § 8 AO, ein Aufenthalt von mehr als sechs Monaten einen gewöhnlichen Aufenthalt nach § 9 AO. Nach dem Wegzug kann zudem die erweiterte beschränkte Steuerpflicht bis zu zehn Jahre lang greifen.

Checkliste: Was du vor dem Vergleich klären solltest

Aus unserer Begleitung: Die meisten Vergleichsrechnungen scheitern an den Annahmen, nicht am Steuersatz. Prüfe zuerst:

  • Gibst du deine Wohnung in Deutschland auf und meldest dich ab (siehe Abmeldung aus Deutschland)?
  • Hältst du Anteile an Kapitalgesellschaften von mindestens 1 %? Dann ist die Wegzugsbesteuerung zu prüfen.
  • Wie viele Tage wirst du künftig in Deutschland verbringen, und wie dokumentierst du sie?
  • Kann deine Gesellschaft in den VAE echte Substanz nachweisen?

Unser Rat: Rechne den Vergleich erst, wenn diese Fragen beantwortet sind. Die zeitliche Reihenfolge der Schritte zeigen wir unter Steuerplanung.

Was das für deine Entscheidung heißt

Der Steuervorteil der Emirate ist kein Automatismus, sondern das Ergebnis einer sauber umgesetzten Verlagerung. Drei deutsche Normen entscheiden darüber mit: die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG, die ab einer Beteiligung von 1 Prozent greift und gegenüber Drittstaaten wie den Emiraten sieben Jahresraten gegen Sicherheitsleistung vorsieht; die erweitert beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG mit ihrem Zehnjahreszeitraum; und die Hinzurechnungsbesteuerung, deren Niedrigsteuergrenze seit dem Veranlagungszeitraum 2024 bei 15 Prozent liegt.

Welche davon in deinem Fall greift, lässt sich nicht pauschal sagen. Die Systematik und die Reihenfolge der Prüfung haben wir auf unserer Seite Steuern in Dubai ausführlich dargestellt.

Ein Steuersatzvergleich beantwortet die falsche Frage. Die richtige lautet: Welcher Staat darf besteuern, und ab wann?

Wenn du den Vergleich für deine konkrete Struktur durchrechnen lassen möchtest, begleiten wir dich dabei. Eine Einordnung deiner Ausgangslage erhältst du im Erstgespräch; die Grundlagen findest du unter Steuern in Dubai.

Stand: 3. November 2026. Steuerrecht ändert sich; dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall.

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Hannes Danho

Geschäftsführer – Danho & Partner Wirtschaftskanzlei

Danho & Partner ist eine deutschsprachige Wirtschaftskanzlei in der Meydan Free Zone, Dubai. Wir begleiten Unternehmer aus dem DACH-Raum bei Firmengründung, Steuern und Banking in den VAE.

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