Definition und Einordnung
Die Entscheidung zwischen Freihandelszone und Mainland-Gesellschaft ist die erste strukturelle Weichenstellung jeder VAE-Gründung. Sie betrifft nicht nur Kosten, sondern auch Marktzugang, Lizenzbehörde und steuerliche Optionen.
| Kriterium | Free Zone | Mainland |
|---|---|---|
| Lizenzbehörde | Free Zone Authority | Department of Economic Development (DED) |
| Ausländisches Eigentum | 100 % | 100 % für die meisten Tätigkeiten (seit 2021) |
| Lokaler VAE-Markt | nur eingeschränkt | uneingeschränkt |
| Internationales Geschäft | ideal | möglich |
| Corporate Tax | 0 % als QFZP möglich (Bedingungen) | regulär 0 %/9 % (kein QFZP) |
| Behördenaufträge | eingeschränkt | zulässig |
Die entscheidende Frage: Wo sitzen die Kunden?
Der praktische Kompass ist einfach: Bedienen Sie Kunden außerhalb der VAE oder arbeiten Sie standortunabhängig, ist die Free Zone meist die bessere Wahl – 100 Prozent Eigentum, geringere Kosten, und über den Status der Qualifying Free Zone Person potenziell 0 Prozent Corporate Tax. Verkaufen Sie dagegen an lokale Kunden in den VAE oder brauchen Sie eine physische Präsenz im Markt, führt an der Mainland-Gesellschaft kaum ein Weg vorbei.
Bedeutung für DACH-Unternehmer
Viele DACH-Gründer wählen reflexartig die günstigste Free Zone – und stellen später fest, dass sie lokal nicht verkaufen dürfen. Andere gründen Mainland aus Vorsicht und zahlen unnötig mehr, obwohl ihr Geschäft rein international ist. Beides ist vermeidbar, wenn man vor der Gründung ehrlich klärt, wo die Wertschöpfung und die Kunden liegen. In Mischfällen kann eine Kombination (Free Zone plus separate Mainland-Struktur) sinnvoll sein.
Rechenbeispiel
Ein E-Commerce-Unternehmer verkauft ausschließlich nach Europa: Free-Zone-FZCO, QFZP-Bedingungen erfüllt, 0 Prozent auf qualifizierendes Einkommen. Ein zweiter Unternehmer eröffnet ein Café in Dubai: Das lokale Geschäft erfordert eine Mainland-Lizenz über das DED; auf den Gewinn oberhalb der Freigrenze fallen 9 Prozent an. Identisches Land, gegensätzliche richtige Wahl.
In Zahlen: Der E-Commerce-Unternehmer mit AED 800.000 qualifizierendem Gewinn zahlt als QFZP 0 AED; der Café-Betreiber mit demselben Gewinn zahlt (AED 800.000 − AED 375.000) × 9 Prozent = AED 38.250. Bei identischem Gewinn entscheidet allein die passende Struktur über eine Differenz von über AED 38.000 pro Jahr. Genau deshalb fällt die Freezone-oder-Mainland-Entscheidung vor der Gründung – ein späterer Wechsel ist aufwendig.
Kosten, Marktzugang und der häufigste Denkfehler
Der reine Kostenvergleich führt oft in die Irre. Zwar ist eine Freizonen-Lizenz im Setup meist günstiger, doch die entscheidende Größe ist der Marktzugang: Eine Free-Zone-Gesellschaft darf im VAE-Festland regelmäßig nur eingeschränkt direkt verkaufen; wer das dennoch tut, riskiert Verstöße oder muss über einen Mainland-Distributor gehen – was die vermeintliche Ersparnis auffrisst. Umgekehrt zahlt ein rein international tätiger Online-Unternehmer bei einer Mainland-Gründung für Marktzugang, den er nie nutzt. Ein weiterer Denkfehler betrifft die Steuer: Der 0-Prozent-Vorteil ist an den QFZP-Status und dessen Substanzbedingungen gebunden, nicht an die Freizone als solche. Die ehrliche Ausgangsfrage lautet daher nicht „Was ist billiger?", sondern „Wo entsteht meine Wertschöpfung und wo sitzen meine Kunden?". Aktuelle Gebühren sind bei Authority bzw. DED zu prüfen.
Verwandte Begriffe
Freihandelszone (Free Zone), Mainland-Gesellschaft (VAE), Qualifying Free Zone Person. Zur Gründung: Firmengründung Freezone oder Firmengründung Dubai Mainland.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Jeweilige Free Zone Authority bzw. Department of Economic Development (DED) – offizielle Angaben
- Federal Decree-Law No. 32 of 2021 (UAE Commercial Companies Law)
- Federal Tax Authority (FTA), tax.gov.ae – Free Zone Persons (abgerufen 2026-07-17)